Die Suchmaschine Qwant bietet aktuell den besten Mix aus guten Suchergebnissen, hohem Datenschutz und Verwendbarkeit ohne weitere IT-Kenntnisse.

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Warum nicht einfach Google?

Suchmaschinen gehören zu den Software-Lösungen, die die Meisten von uns jeden Tag vielfach verwenden. Eine „gute“ Suchmaschine zu verwenden, sollte also eine relativ hohe Priorität haben.

Der weltweite Marktführer Google zählt für mich aus mehreren Gründen nicht zu den „guten“ Lösungen. Denn je mehr Unternehmen wie Google bzw. dessen Mutterkonzern Alphabet existieren, deren Geschäftsmodell auf Daten und deren Analyse beruht und die gleichzeitig die Privatsphäre der Nutzer mit den Füßen treten, desto mehr verlieren wir Bürger die Kontrolle über unsere Entscheidungen und schlussendlich über unsere Gesellschaft. Das Ergebnis beschreibt Mark-Uwe Kling wunderbar in seinem Buch Qualityland, das die negativen Auswirkungen einer stark datengetriebenen Gesellschaft in einer witzigen und verständlichen Form darlegt. Ähnliche Werke sind George Orwells 1984 oder The Circle.

Teile dieser Dystopien sind bereits heute Realität. Algorithmen beeinflussen zunehmend erfolgreich unsere Meinung und unsere Entscheidungen, wie z.B. durch Werbung für Produkte oder politische Parteien. Auch in lebenskritischen Bereichen, wie z.B. bei medizinischen Entscheidungen von Ärzten, werden mehr und mehr Algorithmen verwendet. Kontrollierte Automatisierung halte ich generell für gut, allerdings gehören gerade die heute und zukünftig häufig eingesetzten Algorithmen des Deep Learnings zu der Klasse, die nicht deterministisch sind, d.h. deren Ergebnis nicht immer eindeutig und schwer kontrollierbar ist. Unternehmen wie z.B. Facebook verwenden eine Vielzahl von Deep Learning Algorithmen und verlieren zunehmend die Kontrolle über deren Entscheidungen. Im folgenden 6-minütigen Video wird das schön dargestellt an Mark Zuckerberg herangetragen:

Was können wir also tun? Die Produkte von Facebook & Co nicht oder möglichst wenig nutzen. Das reduziert – wenn auch sehr sehr geringfügig – die Nachfrage nach deren Produkten und damit (hoffentlich irgendwann einmal) ihre Daseinsberechtigung.

Lasst uns also Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen, indem wir Produkte nutzen, die unsere Daten respektieren.

Was muss eine gute Suchmaschine bieten?

Wie immer bei der Suche nach bestimmten Produkten müssen initial Anforderungen erstellt werden. Die folgende Liste beinhaltet aus meiner Sicht die wichtigsten Anforderungen für eine gute Suchmaschine:

  • Ausreichend gute Ergebnisse in mind. ca. 80% der Suchanfragen
  • Antwortzeit der Anfrage gering, unter 2-3 Sekunden
  • Kein Nutzer-Tracking, d.h. kein Sammeln personenbezogener Daten von Seiten der Suchmaschine
  • Hauptsitz des Unternehmens innerhalb EU, insbesondere nicht den USA, da dort alle Firmen dem Patriot Act unterliegen, der – vereinfacht gesagt – Geheimdiensten Zugriff auf Nutzerdaten ermöglicht.
  • Alle Server der Suchmaschine innerhalb der EU – Daten verlassen nicht die EU und unterliegen der DSGVO
  • Verwendbarkeit für Jedermann/-Frau, auch ohne weitere IT-Kenntnisse

Ich beschränke mich durch die letzte Anforderung bewusst auf leicht verwendbare Suchmaschinen, die nicht selbst gehostet werden müssen. Sonst würde ich zu viele Nicht-ITler ausschließen. Die Nutzung von Suchmaschinen über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor schließe ich damit auch aus.

Beste Lösung: Qwant

Die fünf Jahre junge Suchmaschine Qwant erfüllt Anforderungen zu einem sehr hohen Grad:

  • Der Hersteller sitzt in Paris.
  • Die Ergebnisse sind in den Meisten Fällen ausreichend gut und werden schnell beantwortet.
  • Qwant kann ähnlich wie Google als Dienst von Jedermann/-Frau verwendet werden, auch ohne weitere IT-Kenntnisse.
  • „Qwant sammelt keine Personendaten und dies wird sich niemals ändern.“ (Quelle, Weitere Details der Datenschutzerklärung)

Der Hersteller ist also überzeugt, dass Werbung, die im Zusammenhang mit dem Suchbegriff angezeigt wird, interessant genug für den Nutzer ist.

Für die, die zum Schutz der Privatsphäre JavaScript im Browser deaktiviert haben, bietet Qwant eine „Lite“-Variante an.

Eine der Anforderungen erfüllt Qwant nicht vollständig: Teile der Suchergebnisse werden durch die Suchmaschine von Microsoft, d.h. „Bing“, ergänzt. Qwant indiziert (i.e. durchsucht) das Internet selbst, allerdings klappt das offenbar noch nicht zu 100% ausreichend gut. Wie hoch dieser ergänzte Anteil ist, ist nicht bekannt. Langfristig will Qwant von Bing natürlich wegkommen.

Andere Meinungen zu Qwant

Der prominente Blogger und IT-Sicherheits-Spezialist Mike Kuketz hält Qwant ebenso für eine der besten Lösungen für Normal-Anwender.

Kritiker bemängeln die Beteilung von Axel Springer SE mit 20 % an Qwant. Die Strategie von Springer ist allerdings mit keinen funktionalen Einschränkungen verbunden und nachvollziehbar. Ähnlich wie mit anderen Beteiligungen wie z.B. an der VG Media versucht Springer den Marktanteil von Google zu reduzieren und setzt seine Hoffnungen auf Qwant.

Zudem erwähnen Kritiker, dass die Legislative Frankreichs seit vielen Jahren im Europa-Vergleich eher pro Überwachung statt pro Datenschutz ausgerichtet ist. Ein Beispiel ist die Vorratsdatenspeicherung. Aus meiner Sicht ist mit der DSGVO europaweit ein einheitlicher Standard gelegt worden, der viele Datenschutz-Themen europaweit gleich behandeln lässt.

Tracking in Qwant? Interessantes Gespräch mit den Entwicklern von Qwant

Bei der Auswertung des Quellcodes der Qwant-Webseite fand ich eine Funktion namens „logHandler“. Auf den ersten Blick sah das für mich wie ein Tracker. Mit diesem Fund ich ich auch offensichtlich nicht allein. Deshalb habe ich Qwant direkt nach dieser Funktion und zwei weiteren gefragt, die mir verdächtig vorkamen. Siehe meine Fragen (sind eher Feststellungen) und deren Antworten:

Frage 1: „Alle Anzeigen sind Links zum Bing-Service, anstelle von direkten Links -> ermöglicht die Verfolgung von Klicks“.

Antwort: Wenn Sie mit Qwant suchen, werden keine personenbezogenen Daten an Microsoft übermittelt. Wenn Sie jedoch auf Werbe-Anzeigen klicken, die nicht unter unserer Kontrolle stehen, ist es wahr, dass Bing Ads Ihre Klicks verfolgen kann, weshalb wir auf deren Datenschutzerklärung verweisen.

Frage 2: „In der Lite-Version gibt es Umleitungen auf Ergebnisse anstelle direkte Links.“

Antwort: Qwant Lite Redirects werden nur verwendet, um zu wissen, welche Ergebnisse für eine bestimmte Suche angeklickt werden, was die Erstellung von Statistiken ermöglicht. Dabei erheben wir keine personenbezogenen Daten. Aggregierte Statistiken sind notwendig, um die Suchergebnisse zu bewerten.

Frage 3: „In der Nicht-Lite-Version gibt es eine Javscript-Funktion, die auf Klicks auf Ergebnisse hört, die z.B. „logHandler“ genannt werden, anstelle von direkten Links“.

Antwort: Gleiche Antwort.

Für mich ist das in Ordnung, ich verstehe ihre Motivation. Qwant ist nicht allein damit, indem es seine internen Algorithmen durch Feedback von Klicks verbessert. Später in diesem Artikel werde ich eine andere Suchmaschine erwähnen, die eines Tages interessanter werden könnte als Qwant. Sie verfolgt auch Klicks, um die Suchmaschinenalgorithmen zu verbessern und schließlich bessere Ergebnisse zu erzielen.

Zusammenfassend ist Qwant die Suchmaschine, die die oben aufgestellten Anforderungen am besten erfüllen kann – trotz seiner aktuellen Teil-Abhängigkeit zu Bing.

Wie installiere ich Qwant?

Firefox: Dieses Addon installieren – fertig. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, die Suchmaschine ohne diese Erweiterung zu installieren.

Optional empfehle ich noch, beim Öffnen eines neuen Fensters oder Tabs eine leere Seite einzustellen. Dadurch werden unnötige Informationen nicht angezeigt, und der Browser reagiert etwas schneller. Dazu in der Adresszeile in Firefox das Folgende eingeben und „Enter“ drücken: about:preferences#home . Danach folgende Option wie hier dargestellt auswählen:

Chrome: Wie auch in Firefox muss das Add-On von Qwant installiert werden – fertig. Wird Qwant ohne dieses Add-On als Suchmaschine eingestellt, wird diese Einstellung nach einem Neustart von Chrome wieder entfernt sein.

Was ist mit anderen Suchmaschinen?

DuckDuckGo: Hauptsitz in den USA. Dadurch erfüllt DuckDuckGo eine der Anforderungen nicht.

Startpage, Metager, UnBubble, Searx.me, Ecosia, Etools etc.: Diese sog. „Meta-Suchmaschinen“ aggregieren die Suchergebnisse von einer oder mehreren der großen Suchmaschinen und zeigen diese an. Personenbezogene Daten werden dadurch angeblich nicht übertragen. Problematisch ist, dass deren Nutzung die Nachfrage nach den großen Suchmaschinen erhöht und zudem trotzdem personenbezogene Daten weitergereicht werden.

Ixquick: Existiert nicht mehr als eigenständige Suchmaschine, wurde mit dem anderen Produkt des Herstellers Startpage zusammengelegt.

Ausblick

Qwant will in Europa einen Marktanteil von 5 bis 10 Prozent erreichen. In Frankreich sind es schon heute 5 Prozent (Quelle). Lasst uns Qwant nutzen, damit dieses Ziel schneller erreicht wird.

 

p.s. Ich erhalte von keiner Suchmaschine oder irgendeinem der hier erwähnten Unternehmen oder Personen eine finanzielle Förderung.

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Marcel · 31. Juli 2018 at 22:37

Danke 🙂
Was ich generell bei den alternativen Suchmaschinen bemängle ist, dass praktisch alle beim Klick auf Werbung auf die Server der Partner umleiten, ergo wird mindtsens die IP erfasst. Qwant verweist seit der DSGVO sogar auf die Datenschutzrichtlinie von Microsoft, wo quasi alles verarbeitet werden soll.

Ob Partner wie Bing auch datensparsam sind? Bei StartPage etwa basiert die Werbung auf den Suchbegriff, nicht auf Googles Datentopf. Aber dafür füllt man diesen doch mit der IP usw, oder?

Samuel Braun · 13. Oktober 2018 at 18:36

Ich suche aus genau den hier aufgeführten Gründen seit einigen Jahren konsequent über qwant.
Aus meiner Sicht ist qwant eine absolut empfehlenswerte Alternative zu Google, genau genommen die bessere Alternative zu googe.

    Mathias Renner · 18. Oktober 2018 at 22:01

    Schön, dass du Qwant genauso interessant findest, Samuel. Danke für dein Feedback!

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